Art@Site www.artatsite.com Norbert Kricke Grosse Giedion Dusseldorf
Artist:

Norbert Kricke

Title:

Grosse Giedion

Year:
1977
Adress:
Nordfriedhof
Website:
quiet, high, bright
This artwork is surrounded by trees which are always standing still. The artwork is standing still also. It starts to move slowly and it casts a dark shadow on the grass. The line makes a right angle and proceeds with caution. Now a square frame is created and the speed is almost reduced to zero.
This is followed by an extreme physical effort and than something unexpected happens: the tube goes up steadily. Once it's in motion it’s movement seems to be easier, the color seems lighter too. Before the thread reaches the top, it is white in colour and than Giedion by Norbert Kricke comes to a standstill. Just as quiet as the surrounding trees.
By Theo, www.artatsite.com

Vertaling
stil, licht, hoog
Dit kunstwerk wordt omringt door bomen die altijd stil staan. Ook het kunstwerk staat stil. Het begint langzaam te bewegen en werpt een donkere schaduw op het grasveld. De lijn maakt een haakse bocht en gaat voorzichtig verder. Nu ontstaat een vierkant frame en is de snelheid bijna tot nul gereduceerd.
Dan volgt een uiterste krachtinspanning en gebeurt iets onverwachts: de buis gaat gestaag omhoog. Eénmaal in beweging lijkt het makkelijker te gaan, lijkt de kleur ook lichter te worden. Voordat de draad de top bereikt is het geheel wit van kleur en komt Giedion van Norbert Kricke tot stilstand. Nét zo stil als de omringende bomen.
Door Theo, www.artatsite.com

www.welt-der-form.net:
John Anthony Thwaites (1953): »Wenn man Krickes Schöpfungen länger ansieht und ihren Rhythmus in sich aufnimmt, so kommen sie zur Ruhe. In diesem ruhenden Mittelpunkt ist eine grosse Stille. Und in dieser Stille ist etwas gesagt worden - etwas über das Leben der Menschen - ihr Schicksal - etwas über das All. Man erinnert sich, dass heute die beste Kunst immer näher der Meditation kommt. «
Die Plastik hat eine spezielle Geschichte: Kricke schuf sie 1977 unter dem Titel "Grosse Münster" für die dortige Ausstellung "Skulptur". Nach dem Tod der Kunstkritikerin Carola Giedion-Welcker benannte er sie aus Verbundenheit zu ihr und ihrem Mann, dem Architekten Siegfried Giedion, um. Die Stadt Düsseldorf erwarb die Skulptur und liess sie zur Bundergartenschau 1987 im Volksgarten aufstellen. Da das aufragende Element zerstört ist, hat man eine Kopie angefertigt, die seit 2004 auf dem Nordfriedhof in der Nähe von Krickes Grab steht. Text: Rolf Purpar: Kunststadt Düsseldorf, 2009.

www.wikipedia.org:
Norbert Kricke (* 30. November 1922 in Düsseldorf; † 28. Juni 1984 ebenda) war ein deutscher Bildhauer.
Sein Hauptwerk sind die so genannten Raumplastiken aus metallischen Linien, die den Raum dynamisch durchfahren. Kricke wollte durch die Darstellung von Raum und Bewegung dem Menschen ein Gefühl von Freiheit vermitteln. Ab den ersten abstrakten Plastiken in den frühen 1950er Jahren bis zu seinem Tod ist er der Linie als Gestaltungsmittel treu geblieben. Er gehört zu den wichtigsten Vertretern der deutschen Nachkriegsmoderne.
Nach ersten figürlichen Skulpturen fand Kricke im filigranen, biegsamen Drahtgestell sein eigentliches plastisches Gestaltungsmittel. Ab 1950 schuf er erste abstrakte Gebilde, die er Raumplastiken nannte. Sie bestehen aus filigranen Stahllinien, die sich dynamisch durch den Raum zu bewegen scheinen. Die immateriell und schwerelos wirkenden Raumplastiken stehen im Gegensatz zur traditionellen Körperplastik, deren Massenvolumen aus Materialien wie Stein, Marmor oder Bronze eine geschlossene Oberfläche ausbildet und den umgebenden Raum ausgrenzt. Mittels transparenter Materialien, perforierter Oberflächen und verschiedener Ansichten wurden Raum und Bewegung zum Thema seiner modernen Plastik. Kricke war ein Vertreter der modernen Vorstellung von Raum und Zeit, die als allgegenwärtige Grössen alles durchdringen. Er selbst sagte, dass er die Einheit von Raum und Zeit durch die suggerierte Bewegung seiner Raumplastiken darstellen will. Bei der Umsetzung dieser Gedanken spielte auch Wilhelm Lehmbruck eine tragende Rolle.
Krickes erste abstrakte Plastiken sind noch geometrisch und rechtwinklig und stehen in der Tradition des Konstruktivismus von Naum Gabo und Antoine Pevsner der Vorkriegsmoderne, deren plastische Gebilde auf einer technisch-mathematischen Herangehensweise beruhen.
Zunehmend wurde Krickes Formsprache aber freier, expressiver und dynamischer. Nachdem er 1952 mit der Serie der Lütticher die diagonale Linie eingeführt hatte, ähnelten seine Kurvigen, Knoten und Knäuel ab 1953 immer mehr gestenhaften Zeichen. Sie wirken wie choreographische Spuren des Künstlers, die in Material festgehalten sind. Diese Formtypen stehen im Verhältnis zum Informel, das in den fünfziger Jahren international die wichtigste künstlerische Strömung war. Nach Gleichschaltung und Instrumentalisierung der Kunst als Propagandamittel im Dritten Reich wollte die junge Künstlergeneration, zu der Kricke gehört, frei aus sich selbst heraus schaffen. Der individuelle Ausdruck der Informellen manifestierte sich in impulsiven, energetischen Linienschwüngen, die eine dynamische Raumvorstellung widerspiegeln. Nach Kricke bedeutet Raum in der Plastik immer Freiheit. Diese Freiheit soll bei der Betrachtung seiner Plastiken spürbar werden und sich auf den Menschen übertragen.
Im öffentlichen Raum war es Kricke ein Anliegen, die funktionalistische, streng rechtwinklige Architektur der Nachkriegsmoderne durch seine Plastiken aufzulockern. In ihrer Dynamik wirkt Die Grosse Mannesmann von 1959 noch heute als Gegensatz zur strengen Geometrie des Bürohauses von Paul Schneider-Esleben am Düsseldorfer Rheinufer. Eine grosse Flächenbahn aus dem gleichen Jahr befindet sich an der Stirnwand des „Kleinen Hauses“ des Theaters in Gelsenkirchen von Werner Ruhnau. Ein weiteres Werk, das in einen Gegensatz zur strengen rechtwinkligen Architektur seiner Umgebung trat, war die Space Sculpture, die ab 1965 vor dem Los Angeles County Museum of Art aufgestellt war.
Norbert Kricke war Teilnehmer der documenta II (1959) und der documenta III im Jahr 1964 in Kassel.
Ab Ende der 1960er Jahre kam es zwischen Beuys und Kricke, der Beuys messianisches Auftreten und „Jesus-Kitsch“ vorwarf, zu einer der härtesten Auseinandersetzungen der deutschen Nachkriegskunstgeschichte. Umgekehrt galt Kricke seinen Kritikern als „Siegelbewahrer einer informellen Vergangenheit“, als Künstler des Establishments und des Kapitals, während Beuys mit seinem Begriff der Sozialen Plastik und als Gründer der „Freien Internationalen Hochschule für Kreativität und interdisziplinäre Forschung“ sich als die wirkliche Avantgarde verstand. Als Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie führte Kricke 1972 die Tradition des Akademie-Rundgangs ein, einer öffentlichen Ausstellung studentischer Semesterarbeiten im Akademiegebäude.
Günter Grass, Schriftsteller und Nobelpreisträger für Literatur, studierte 1948–1952 an der Kunstakademie Düsseldorf Grafik und Bildhauerei. Er erwähnt in seiner 2006 erschienenen Autobiografie: Beim Häuten der Zwiebel auch Norbert Kricke (S. 335): „In der Klasse des Bildhauers Enseling … stiess ich auf Norbert Kricke, der naturgetreu seinem Meister nacheiferte und lebendige nackte Mädchen in nackte Mädchen aus Gips verwandelte, bis er, nur wenige Jahre später, von seinen Nackedeis genug hatte und fortan mit dekorativ gebogenen Drahtskulpturen dem Zeitgeist zu Diensten war.“