Art@Site www.artatsite.com Richard Serra Terminal Bochum
Artist:

Richard Serra

Title:

Terminal

Year:
1977
Adress:
Hauptbahnhof
Website:
An artwork as beacon
Four huge metal sheets are standing close to each other. You would think that the plates are rectangular in shape, but they are not. At the bottom they are a bit slimmer. At the bottom there is a small gap between the plates. At the top the sheets stretch all along each other. Thus there is a dynamic interplay between the sheets.
When you're driving from the northside on 100 metre distance, you will see that the object is standing on an angle in the direction of the bend in the road. Coming from the southside, you can see that the artwork is much smaller than (the trees and surely) the office buildings near the roundabout. If you walk alongside the artwork, you can feel how tiny people and how big the artwork is (approximately eight times larger than a human).
This artwork is a beacon. It gives focus in the city so people are able to oriëntate. Focus is very important. I dare to say that focus is vital. This makes me clear why I found Terminal by Richard Serra an significant artwork.
By Theo, www.artatsite.com

Vertaling
Een kunstwerk als baken
Vier reusachtige metalen platen staan dicht naast elkaar. Je zou zeggen dat de bladen rechthoekig zijn, maar dat zijn ze niet. Aan de onderkant zijn ze iets slanker. Aan de onderzijde is een kleine opening tussen de platen. Aan de bovenkant lopen de planken langs elkaar. Zo ontstaat er tussen de platen een dynamisch samenspel.
Als je vanuit de noordzijde op 100 meter afstand rijdt, zie je dat het object schuin staat in de richting van de bocht in de weg. Vanuit de zuidzijde zie je dat het kunstwerk veel kleiner is dan de (bomen en zeker de) kantoorgebouwen die naast de rotonde staan. Als je langs het kunstwerk loopt voel je hoe klein mensen en hoe groot het kunstwerk is (misschien wel acht keer groter dan mensen).
Dit kunstwerk is een markering. Het geeft focus in de stad waardoor mensen zich kunnen oriënteren. Focussen is belangrijk. Ik durf wel te zeggen dat focussen essentieel is. Dit maakt mij duidelijk waarom ik Terminal van Richard Serra een uiterst relevant kunstwerk vind.
Door Theo, www.artatsite.com

www.welt-der-form.net:
Richard Serra, *1939 San Francisco, lebt und arbeitet ausserhalb New Yorks und in Nova Scotia / Kanada.
Terminal, 1977.
Piece for Documenta VI.
CorTen-Stahl, vier identische trapezförmige Bleche, je 12.50 x 3.66 x 2.74 m, 6.4 cm stark, auf quadratischem Grundriss. Gefertigt in der Thyssen-Hütte Hattingen. Serras Terminal war ein Wahrzeichen der documenta VI in Kassel, aufgestellt am Friedrichsplatz.

www.welt-der-form.net:
Nach langen Verhandlungen und begleitet von heftigen Protesten wurde der Terminal 1977 von der Stadt Bochum für 300.000 DM gekauft und 1979 am Kurt-Schumacher-Platz, dem von Serra favorisierten Standort, vis-à-vis des Hauptbahnhofs in Bochum aufgestellt. Der Ankauf - eine mutige Entscheidung des Bochumer Stadtrats - löste eine Protestwelle aus, die sich zu Vandalismus, zu verbalen Entgleisungen („entartete Kunst") und bis hin zu Gewalt gegen die beteiligten Personen verstieg. Der CDU-Kandidat Kurt Biedenkopf hielt im Landtagswahlkampf direkt vor dem Terminal eine flammende Rede, in der er im Falle des Wahlsieges den Abriss des rostenden Schandflecks ankündigte.
Terminal bedeutet Ankommen. Für Bochum markiert das Terminal den Beginn der modernen Kunst im öffentlichen Raum. Mehr noch, Bochum wurde zur ersten Stadt weltweit, die eine Plastik von Richard Serra im öffentlichen Raum installierte. Heute wie damals steht der sperrige Fremdkörper für die grundsätzliche Frage, was Kunst ausmacht und insbesondere inwieweit Kunst dekorativ zu sein hat. Heute wird der Wert der Skulptur auf mehr als das Hundertfache geschätzt. Überdies spendete Serra später für einen Erweiterungsbau der Situation Kunst am Haus Weitmar exakt die Summe, die die Stadt für das Terminal gezahlt hatte.
Terminal bedeutet auch Umsteigen und Aufbrechen. Insofern mag das Terminal auch für einen neuen Begriff von Kunst stehen. Das Terminal steht auf einer Verkehrsinsel und nimmt mit seinen vier Platten gleichsam den Verkehrsfluss aus vier Richtungen (Ostring / Wittener Strasse) auf und verwirbelt ihn. Das Terminals ist begehbar: die riesigen Stahlplatten des Terminals bilden einen abgeschotteten (doch eher beklemmenden) Innenraum, und das mitten auf einer verkehrsreichen Kreuzung. Blickt man nach oben, sieht man in den Himmel - durch eine überraschenderweise exakt quadratische Öffnung. Doch: worin genau gründet die - auch heute noch - heftige emotionale Reaktion vieler Menschen gegenüber diesem Kunstwerk? Ja, schon die schiere Grösse, die abweisende Erscheinung der riesigen Stahlplatten und der Rost machen das Terminal zu einem herausfordernden Fremdkörper im urbanen Raum (und das selbst in einer Stadt, deren Geschichte von Stahl geprägt ist). Zuvörderst aber ist da die Unsicherheit einflössende, scheinbare Labilität des Kolosses, die beim Betrachter ein beklemmendes Gefühl auslöst. Diese beruht nicht zuletzt darauf, dass zwei der vier Stahl-Trapeze mit der längeren der parallelen Seiten nach oben weisen und dass rechte Winkel fehlen. Hinzu kommt, dass die unregelhafte Gesamt-Konstruktion vertrackt ist und für das Auge schwer bis gar nicht zu fassen:
Karen van den Berg (1995): »Ebenso irritierend ist, dass die einzelnen Ansichten der Skulptur sich nicht zur Vorstellung eines zusammenhängenden Ganzen vereinheitlichen lassen, eröffnet doch jede Veränderung der Perspektive auf die Skulptur neue und unerwartete Erfahrungsqualitäten. Immer wieder scheint ein grundlegend gewandeltes Gebilde vor Augen zu stehen, da sich beim Umschreiten kein einheitliches Ganzes im Gedächtnis aufbaut, sondern die jeweilige Ansicht sich auf merkwürdige Weise isoliert. Je mehr die einzelnen Ansichten in ihrer Wirkkraft erkannt werden, desto mehr verliert sich ein Bild vom Ganzen, mithin der Blick für seine Identität.«
Elementar sind die Themen vieler von Serras Arbeiten aus dieser Zeit: to roll, to twine, to store, to suspend, of inertia, of gravity, of equilibrium, of friction sind Begriffe (unter vielen), die er 1972 auf seine "verb list" setzte - eine Liste, die sich wie ein Programm für sein Werk liest, eine Liste von Aktivitäten für künstlerische Prozesse. Seine Werke sind keine Objekte, die vom Betrachter "von aussen" inspiziert und eingeordnet werden wollen, sondern Arrangements im Raum, die vom Besucher begangen und erkundet werden, um Material und Raum und ihre Wirkung auf das Selbst - wie in einem Experiment - zu erfahren, zu erproben. Sie repräsentieren weniger eine Form und ihr Konstruktionsprinzip, als vielmehr die befremdende psychiche Energie, die sich beim unmittelbaren Erleben einstellt und die uns von der (mal heimeligen, mal abschreckend/gesichtslosen) "gemachten" Lebenswelt Stadtraum und unserer Gewöhnung daran entrückt. Das Terminal steht in diesem Sinn für einen Kunstbegriff, der mit Bewusstwerdung und mit einer veränderten Wahrnehmung zu tun hat.
Richard Serra (998): »I consider space to be a material. The articuation of space has come to take precedence over other concerns. I attempt to use sculptural form to make space distinct.«
Auch vom Material Stahl und vom Umgang damit - dem Walzen des glühenden Materials im Stahlwerk etwa, um aus einer Bramme eine Stahlplatte zu fertigen - hat sich der Mensch heute weitgehend entfremdet. Stahl kennt mensch bloss noch versteckt hinter Metallic-Lack oder im Beton. Das Terminal wiederum macht die unerbittliche Härte und Unverrückbarkeit des Materials haptisch erfahrbar. Die Oberfläche des Terminals zeigte zudem Spuren des Herstellungsprozesses - bis diese bei der Restauration 2014 durch Sandstrahlen entfernt wurden.
Serra ist vielleicht einer der wenigen Künstler, der Kunst schlussendlich um des betrachtenden und erlebenden Menschen willen macht. Nicht, um den Ort zu "dekorieren", nicht, um immer neue Auflagen optisch ansprechender ("zugänglicher") Kunst auf den Markt zu werfen, nicht, um Selbstbetrachtungen in Form idiosynkratischer Stilpflege zu betreiben, sondern um dem Gegenüber, dem Betrachter, neue Raum- und Selbst-Erfahrungen zu ermöglichen.
Insbesondere mit dem Urbanismus und der modernen Stadtlandschaft setzte er sich - mal sensibel, mal provokant - auseinander. Serra - ein Amerikaner, der in Europa gross wurde - fand nicht zuletzt in deutschen Stahlwerken seine Partner. Gut möglich, weil sie seine ausgefallenen Auftragsarbeiten am ehesten mit der geforderten Präzision realisieren konnten. Serra war Teilnehmer der documenta 5 (1972), documenta 6 (1977) und documenta 8 (1987) in Kassel. Zweimal, 1984 und 2001, war er zur Biennale von Venedig eingeladen. Seine Einzelausstellung im Centre Pompidou, Paris, (1983) hatte er 24 Jahre, bevor er das Museum of Modern Art, New York, retrospektiv bespielte (2007).
Mehr:
Karen van den Berg: KunstOrt Ruhrgebiet. Der leibhafte Raum. Das Terminal von Richard Serra in Bochum. Edition tertium, Ostfildern, 1995.
Terminal (1977/79), artibeau : kunst in bochum.
Terminal, NRWskulptur.
Ingo Bartsch: Terminal von Richard Serra. Eine Dokumentation in 7 Kapiteln. Museum Bochum, 1980

www.artibeau.de:
1979 in Bochum aufgestellt ist „Terminal“ von Richard Serra auch über dreissig Jahre später das am meisten diskutierte, geliebte, gehasste, polarisierende, kurzum bedeutendste Kunstwerk in Bochum. Zum Terminal hat jeder Bochumer eine - meist unverrückbare - Meinung. Schlecht über das Terminal reden gehört zum guten Ton. Spannend wäre die Frage, wie viele Bochumer bereit wären, das Terminal zu verkaufen, um die Stadtkasse zu sanieren. Die Wertsteigerung seit 1979 ist immerhin beachtlich.
Der Bochumer Galerist Alexander von Berswordt-Wallrabe erklärte 2005 anlässlich der Erweiterung der Situation Kunst am Haus Weitmar:
Für den Bau des neuen Gebäudes hat Richard Serra 150.000 Euro gespendet. Das ist genau die Summe, die die Stadt seinerzeit für das Terminal gezahlt hat.
Das Terminal besitze heute [2005] sicherlich einen Wert von drei Millionen Euro. Im Oktober 2013 schätzte Alexander von Berswordt-Wallrabe den Geldwert des Terminal schon auf 15 bis 18 Millionen Euro.
Am 1. April 2011 berichtet die WAZ Bochum unter der Überschrift „Volksnah: Ottilie Scholz schmilzt Serra ein“, die Bochumer Oberbürgermeisterin habe sich mit dem Rückhalt aller Ratsfraktionen entschlossen, das Terminal einzuschmelzen und aus dem Material eine „volksnahe Brunnenplastik“ fertigen zu lassen, am besten in Gestalt eines „wasserspeienden Esels“.

www.nrw-skulptur.net:
Die über 12 Meter hohe Skulptur erhebt sich auf dem viel befahrenen Bochumer Bahnhofsvorplatz. Sie besteht aus vier trapezförmigen, scheinbar lose aneinander gelehnten Platten aus Corten-Stahl, der schnell eine rostige, das darunter liegende Material vor Witterungseinflüssen schützende Patina entwickelt.
Durch das Material wird eine besondere Beziehung zum Ort und zum Ruhrgebiet als Zentrum der stahlverarbeitenden Industrie hergestellt. Durch eine schmale Öffnung lässt sich die Skulptur betreten, woraufhin sich dem Betrachter ein überraschender Anblick bietet: Nach oben ist ein perfekt quadratischer Ausschnitt des Himmels sichtbar, der durch die vier senkrecht stehenden Platten eingefasst wird.
Der Wechsel von einem dynamisch wirkenden Aussen zu einem statischen Innenraum wird durch die eigene körperliche Bewegung erlebbar. Ebenso ambivalent verhält sich die tatsächliche Schwere des Materials zu dem scheinbar schwerelosen Aufbau der Skulptur.
Sowohl das Material als auch die Aufstellung der Skulptur sind typisch für den amerikanischen Bildhauer Richard Serra, der das Werk 1977 für den heutigen Standort schuf, es aber zunächst auf der Documenta 6 in Kassel zeigte. Als es anschliessend von der Stadt Bochum gekauft und 1979 am jetzigen Ort errichtet wurde, stiess es auf heftigen öffentlichen Widerstand und wurde sogar zum Wahlkampfthema der damaligen Landtagswahl.